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Donnerstag, 15. November 2012

Oh Tannenbaum

Da irgendwo steht unserer
Quelle: http://www.sxc.hu/photo/1130127
Foto: Hajnalka Ardai Mrs.
Letztes Wochenende hatten meine Frau und ich wieder einmal Zeit ausgiebig gemeinsam zu frühstücken. Meist wird ohnehin ein Brunch daraus, aber wir genießen es, über die Ereignisse der Woche und die Pläne für die kommenden Tage zu besprechen. Sehr oft diskutieren oder philosophieren wir dann auch über alles Mögliche und Unmögliche.
Doch am letzten Wochenende war meine Frau nicht so sonderlich gesprächig und ich fragte sie danach, was in ihrem Kopf vorginge.
"Ich überlege die ganze Zeit", antwortete sie versonnen, "wie ich dem Michi erkläre, warum wir keinen Christbaum haben".
Michi ist ihr 4jähriger Enkel. Wir haben seit Jahren keinen Christbaum mehr. Weihnachten ist für uns eine Zeit in der wir versuchen, unseren inneren Frieden wieder herzustellen und uns vom Weihnachsstress anderer weitestgehend abschotten. Wir verzichten auf gegenseitige Verwandtenbesuche und größer, schöner, teurer Festveranstaltungen und Geschenkgebungen. Weihnachten gehört uns ganz persönlich und selbst. Ein gutes Glas Wein, angenehme Musik und ein interessantes Buch bei Kerzenschein ist das, was uns an diesen Tagen genügt. Ein Weihnachtssymbol wie den Christbaum brauchen wir nicht dazu. Der soll lieber im Wald stehen bleiben und den CO2-Haushalt verbessern. Unsere Familien rufen wir im laufe des Tages an um frohe Weihnachten zu wünschen und kümmern uns im Laufe des Jahres ausreichend um sie. Davon haben alle mehr, als gerade zu Weihnachten Besuchsmarathons zu absolvieren.
Seit wir mit Weihnachten, Neujahr und Ostern so verfahren, freue ich mich auch wieder auf diese Feiertage. Davor waren es nur mehr Pflichtveranstaltungen.
"Du könntest ihm sagen", meinte ich, "dass wir den Baum für die Häschen und Rehlein im Wald stehen lassen haben." Schlug ich vor. Und so begannen wir alle möglichen Erklärungen für den fehlenden Baum zu formulieren.
Und plötzlich musste ich lachen und meine Frau sah mich vollkommen verdutzt an.
"Ist dir eigentlich bewusst", fragte ich, "dass wir uns bereits mehr als einen Monat vor Weihnachten Gedanken darüber machen, wie wir ein kleines Kind anlügen sollen?"
Das Gesicht meiner Frau wechselte von verdutzt auf nachdenklich.

Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich einem Kind etwas vom Weihnachtsmann und vom Christkind erzähle, oder ob ich Geschichten erfinde, warum es keinen Christbaum in der Wohnung gibt. Das eine dient dem Erhalt von romantischen Fantasien, das andere um Erklärungsnotstand zu vermeiden. Weihnachten und der Glaube an die Geschichten, die damit verbunden sind, ist meiner Meinung nach etwas Gutes und Schönes. Von Zeit zu Zeit in eine Fantasiewelt zu flüchten kann ganz erholsam sein und die Realität holt Kinder ohnehin schnell genug ein. Jeder muss ohnehin entscheiden, wann für sein Kind die Zeit gekommen ist, es über die "Wahrheit" aufzuklären. Ich weiß nicht mehr genau, wann und wie ich herausgefunden habe, dass Christkind genauso geschrieben wird wie Mama - aber als ich es wusste, habe ich alles unternommen, damit meine kleineren Geschwister das nicht erfahren. Ich wollte ihnen die Freude und die Spannung nicht nehmen. Das zu beobachten hat mir viel mehr Spaß gemacht.

"Eigentlich ist das vollkommen unnötig", antwortete sie.
"Wenn wir die Wahrheit sagen, brauchen wir nicht darüber nachzudenken, denn die Wahrheit ist immer da!"
Wie recht sie damit doch hatte...
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