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Dienstag, 16. Oktober 2012

Die richtigen Fragen

Kennt ihr das...? Ihr sitzt oder steht irgendwo und wartet. Mehr oder weniger ungeduldig. Auf den Zug, auf den Termin, auf die Frau, die beim Frisör sitzt, oder dass ihr beim Arzt endlich an der Reihe seid. Für solche "Termine", bei denen ich nicht Herr der Umstände bin, plane ich immer etwas mehr Zeit ein, als für gewöhnlich nötig wäre. So vermeide ich wenigstens zusätzliche Hektik oder Stress.

Un dann genieße ich diese Wartezeiten so richtig. Ich kann ohnehin nichts tun, die Dauer des Wartens zu verkürzen. Jede Aktivität meinerseits wäre sinnlos und unnötig. Also nutze ich die Zeit. um auszuruhen,
Das Leben ist wie ein alter Güterzug...
Quelle: http://www.sxc.hu/photo/1204399
Foto: VNR970
um zu beobachten, um den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Ich lasse das Leben, die Hektik der Menschen an mir vorüberziehen. Ich stelle mir vor was sie denken, wo sie hingehen oder woher sie gerade kommen. An den Gesichtern versuche ich deren Stimmung, deren Gefühle abzulesen und Vermutungen darüber anzustellen, ob ihr Tag oder ihr Leben so verläuft, wie sie es sich vorstellen. Mir fällt dabei oft auf, dass bei vielen gar nichts so zu laufen scheint, wie sie es sich vorgestellt haben. Dann stelle ich mir die Frage: "Was ist schief gelaufen?" Und in diesem Moment ertappe ich mich bei genau dem Fehler, der immer wieder in Bezug auf solche Situationen gemacht wird. "Was ist schief gelaufen", ist die falsche Frage.

Warum?

Weil diese Frage selten dazu verwendet wird, die Ursache von Problemen zu finden, um diese zu beseitigen. Sie dient oder führt meistens dazu, die aktuelle Situation mit Ausreden zu untermauern und sie damit ein für alle Mal zu betonieren. Der Partner, der Arbeitsmarkt, die Familie, das System,... hunderte Gründe werden gefunden, warum man in einer miesen Situation steckt und hundert Gründe, warum man nicht heraus kommt.

Doch der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.

Wir müssen uns die Frage stellen: "Wie komme ich da raus", oder "Was kann ich tun, um meine Lage zu verbessern?"

Was das bringen soll?

Im ersten Moment wahrscheinlich nichts. Aber die weiter oben gestellte Frage bringt auch nichts. Doch wenn wir auf die letztgenannte Frage Antworten bekommen, erhalten wir damit Chancen. Wir bekommen Ideen, die zur Lösung des Problems führen können. Antworten auf die oben gestellte Frage, führen nur tiefer in den Sumpf oder bringen uns zumindest nicht vorwärts.

Wenn ich also zwei Fragen zu Verfügung habe, und nur eine davon zu Antworten führen kann, die mir weiterhelfen, warum sollte ich diese Frage nicht stellen? Natürlich werde ich auf die Frage, "Was kann mir helfen?", möglicherweise nicht sofort eine Antwort oder nicht gleich die richtige finden. Aber ich habe meine Segel schon in die richtige Richtung gedreht. Und wenn ich dann die "richtigen" Fragen immer und immer wieder Stelle und es schaffe, zuzuhören, wenn die Antworten kommen, dann wird Wind aufkommen, der meine Segel bläht und den Kahn vorwärts bringt. Doch das Leben ist wie ein schwerer Güterzug, an dem eine alte Dampflok hängt. Es dauert eine ganze Weile, bis er ins Rollen kommt. Anfangs denkt man, es geht nicht vom Fleck. Doch auch die alte Lok gibt nicht auf. Sie schnauft und zieht und plagt sich. Immer weiter, bis sie in Schwung kommt. Schließlich wird es immer einfacher und leichter. Die richtigen Fragen erhalten schneller brauchbare Antworten und das Leben beginnt zu laufen. Wenn der Zug dann so richtig in Schwung ist, muss ich nur noch achtgeben, dass ich die Weichen rechtzeitig stelle, um nicht auf einem toten Gleis zu landen und das Ding am Laufen zu halten.

Wenn ich also so im Lokal dasitze und warte, bis das Essen kommt, habe ich Zeit die Menschen zu beobachten. Zeit, mich selbst zu beobachten und nach den richtigen Fragen zu suchen.
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