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Freitag, 7. September 2012

Ich bin Perry Rhodan!

Nun ja, … nicht ganz. Aber lasst mich von Anfang an erzählen... Angeregt wurde ich zu diesem Rückblick von zwei Blogger-Kollegen: Eddi Brent und Soda, welche ihre Erinnerungen an E.T. digital aufleben ließen.
An E.T. kann ich mich durchaus noch als netten, spannenden Film erinnern. Drew Barrymore war damals schon zum Verlieben … Als kleine Schwester natürlich: Die war da erst sechs – und ich immerhin bereits sechzehn. Doch E.T. war nicht mein Held. Diesen Platz hatte ein paar Jahre zuvor ein anderer erobert. Ich war in
meiner Fantasie nicht E.T. - ich war Perry Rhodan. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Nicht, dass ich den Helden der größten SF-Serie der Welt verkörpert hätte. Ich habe diese „Schundromane“ im Internat gelesen. An dieser Stelle muss ich meinem Klassenkameraden Eduard „Mauli“ M. danken, dass er mir die ersten Hefte geliehen hat. Jede Minute habe ich Perrys Raumschiff verbracht. Und wie zwölf- bis vierzehnjährige nun mal sind, hatte ich den Spitznamen „Perry“ bald auf die Stirn geklebt bekommen. Meine Kommilitonen wollten mich wohl eher hänseln.

Ich war nicht gerade in die Klassengemeinschaft integriert und meine Beschäftigung mit dem Außerirdischen und Übersinnlichen trug nicht gerade dazu bei, meinen gesellschaftlichen Stand zu verbessern. Schließlich hatten sogar einige Lehrer den Namen für mich übernommen. Jene Lehrer, die bei den In-Schülern besonders beliebt waren und diese Beliebtheit um jeden Preis zu verteidigen wussten. Selbst, wenn das auf Kosten eines weniger beliebten Schülers ging.
Diese Lehrer taten mir einen Gefallen, für den ich ihnen bis heute Dank schulde. Binnen kurzer Zeit „war“ ich also Perry Rhodan und blieb es bis zum Ende meiner Schulausbildung. Auf den Spitznahmen war ich sehr stolz. Ich wollte Perry Rhodan sein – oder besser – ich wollte erleben, was er erlebte, sehen, was er sah und tun, was er tat. Ich wollte in den Weltraum hinaus und die Fähigkeiten der Mutanten erlernen.

Im Unterschied zu anderen Gleichaltrigen, die sich jedoch mit Comics von Superhelden, Stickern und Action-Figuren zufrieden gaben, kaufte ich von meiner ersten Lehrlingsentschädigung Fachbücher ein. Zuvor hatte ich Vaters Bibliothek zu allem befragt, was darin über Luft- und Raumfahrt zu finden war. „Unser Kosmos“ von Carl Sagen, „Faszination des Unfassbaren“ und Bücher über PSI und Psychologie gehörten zu meinen Standardwerken und steten Begleitern. Unzählige Hefte habe ich mit Informationen vollgeschrieben und meine erste eigene SF-Welt kreiert. Bud Grek Or (BGO) kämpfte darin gegen die Zoon und die von mir erdachten Gebäude mit integrierter Landwirtschaft, energieautark und hundertprozentig ökologisch und umweltverträglich werden heute, dreißig Jahre, später zur weit verbreiteten Idee. Ihr kennt Bud Grek Or nicht? Keine Sorge – der Roman wurde nie geschrieben und die Architekten und Wissenschafter sind in den letzten Jahren selbst auf die Idee mit der Agrar-Etage gekommen.

In den darauf folgenden Jahren habe ich mich, ausgehend von den Perry Rhodan-Romanen, mit all den Themen beschäftig, Bücher gelesen, Kurse besucht und Ausbildungen absolviert, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Einen großen Teil meines Gedankengutes verdanke ich – neben meinem Großvater – im Kern, Perry Rhodan.

Das Leben hat mich von Vielem entfernt, was in meiner Jugend für mich interessant und wichtig gewesen ist. Schreiben war eine Jugendsünde; eine Laune würden es die Eltern heute nennen. Damals haben sie freilich nichts davon gewusst.

Doch das Leben ist weise und wenn wir ihm beharrlich folgen, auch gütig. Mich hat es zurückgeführt. Zu Perry Rhodan NEO, welches seit einigen Monaten für Kindle neu aufgelegt wurde. Viele Ideen erwachen erneut und ich bin stolz, Perry Rhodan zu „sein“.
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