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Mittwoch, 26. September 2012

Das Engerl

Diese kleine Geschichte habe ich für meine Nichte zum Namensgebungsfest geschrieben. Natürlich ist sie der kleinen Hannah gewidmet, aber ich wünsche allen anderen ebenfalls ein so tüchtiges Engerl.

Ein kleines Englein kam zum lieben Gott gelaufen. Der saß gemütlich unter einem mächtigen Baum und las in einem dicken Buch. „Bitte lieber Gott", flehte es, "gib mir eine Aufgabe. Lass mich über einen Menschen wachen.“ Gott musterte das Englein mit hochgezogener Augenbraue vom Schopf bis zu den Zehen. Es war schmutzig, die Flügel zerzaust, die Haare ungekämmt und die Nase ein wenig blutig geschlagen.

„Wie siehst du denn aus“, antwortete Gott. Du kannst ja nicht einmal auf dich selbst achten. Wie willst du da auf einen Menschen aufpassen.“

„Weil ich die Menschen lieb habe. Die anderen Engel kümmern sich kaum noch um die Menschen. Sie sagen, dass die Menschen ohnehin nicht an sie glauben. Das sie nicht mehr an dich glauben und so kein Recht hätten auf deinen Schutz. Mir ist das egal. Ich bin oft bei den Menschen. Ich verkleide mich dann als einer von ihnen. Spiele mit ihnen, lache, weine mit ihnen und – manchmal raufe ich auch mit dem einen oder anderen. Die Menschen rennen nicht mehr in die Tempel und Kirchen, aber sie haben dich nicht vergessen. Immer wenn sie lachen oder weinen, sich lieb haben oder ein neues Menschlein zur Welt kommt, dann denken sie im geheimen immer an dich.“

Bei diesen Worten strahlten die Augen des Engleins heller als die hellsten Sterne, die Gott je gemacht hatte. Der nickte nur und fragte: „Hast du ein bestimmtes Menschlein, um das du dich kümmern möchtest?“

„Ja, lieber Gott. Einige treffen sich heute und feiern. Sie geben einem kleinen Mädchen den Namen Hannah Sarah. Auf sie würde ich gerne aufpassen.“

Da lächelte Gott, nickte und las weiter in seinem Buch.

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