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Montag, 3. September 2012

Bin ich süchtig?

Kaffee ist Treibstoff, keine süchtigmachende Substanz
Foto: Nicolas Raymond
Quelle: www.sxc.hu/photo/730587
Diese Frage beschäftigt mich seit einigen Stunden. Genau genommen seit heute Morgen um 03:48. Um diese Zeit habe ich - den Kopf mit unzähligen Textfragmenten gefüllt - die Zeit vom Display meines Handys abgelesen.

Um die Frage, ob Handys nachts im Schlafzimmer gesund sind oder nicht, können wir uns ein anderes Mal unterhalten. Hier geht es um meine mögliche Sucht!
Wie ich auf die Idee komme,
süchtig zu sein? Ich werde nachts wach und wälze Ideen für Posts, Geschichten und Romane. Ich flüchte auch am Wochenende frühmorgens aus dem Bett, selbst dann, wenn ich nur wenige Stunden geschlafen habe und notiere Ideen. Oder ich schreibe die ersten Entwürfe für was auch immer. Wenn ich nicht zum Schreiben komme, bin ich irgendwie unausgeglichen, unrund,… nicht ICH.

Um meinen Verdacht zu untermauern oder zu zerstreuen, habe ich zwei fachlich unantastbare Quellen zu Rate gezogen.
Quelle A: Sucht wird in zwei Erscheinungsformen gegliedert. Wie so oft in unserer Zeit versucht man offenbar Sucht nicht mehr als Sucht zu bezeichnen. Weitere Beispiele für diese Behauptung: Putzfrau – Raumkosmetikerin; Hausmann – Familienmanager. Im Falle der Sucht haben wir nun das Abhängigkeitssyndrom. Es ist Substanzgebunden. Wenn man Tintendampf, Papierstaub oder Tastaturgeklapper NICHT zu diesen Substanzen zählt, bin ich Syndrom-technisch aus dem Schneider. Den Kaffee betrachte ich als Treibstoff. Basta!

Die zweite Gruppe sind Impulskontrollstörungen, Zwangsstörungen oder Verhaltenssucht. Ich überprüfe mich im Einzelnen:
Impulskontrollstörung: Impulse beherrsche ich ausgezeichnet. Wenn mich ein Arbeitsimpuls überrascht, lenke ich diesen sofort in Gedankenenergie um. Mögliche Aktivitäten und körperliche Reaktionen werden blitzartig auf deren unbedingte Notwendigkeit geprüft und einem kontrollierten Entscheidungsprozess zugeführt. Kontrolle pur! Test bestanden.

Zwangsstörung. Sie ist ein innerer Drang, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun. Schreiben – Oje! Der Betroffene […] erlebt sie als übertrieben und sinnlos. Puh… Glück gehabt! Sinnlos habe ich Schreiben noch nie empfunden.
Für die Verhaltenssucht gibt es eine Liste von Süchten, wie Spiel- oder Sexsucht. Beides, also Spiele, Sex und Kombinationen daraus finde ich OK, aber süchtig...? Schreibsucht ist nicht aufgelistet, also bin ich auch hier aus dem Gröbsten raus.

Quelle B: Zitat: „Darum, sehr geehrter Herr, wusste ich Ihnen keinen Rat als diesen: in sich zu gehen und die Tiefen zu prüfen, in denen Ihr Leben entspringt; an seiner Quelle werden Sie die Antwort auf die Frage finden, ob sie schaffen [schreiben] müssen,…“

…und später…
„es genügt, wie gesagt, zu fühlen, dass man, ohne zu schreiben, leben könnte, um es überhaupt nicht zu dürfen…“

An dieser Stelle muss ich gestehen! Ich habe es versucht, ernsthaft versucht: Ein Leben ohne Schreiben! Jahre lang – doch schließlich habe ich versagt. Ich bin schwach geworden. Alles im Leben verlangt nach seiner Zeit. Ich ergebe mich, wehre mich nicht mehr, nehme Papier und Stift und lasse den Dingen und Wörtern ihren Lauf.
Wenn es um Schreiben geht, ist Wikipedia – die erste meiner Quellen zur Selbstdiagnose – nur bedingt hilfreich. Wenn es um so entscheidende Fragen geht wie: „Soll ich mein Leben dem Schreiben widmen oder nicht?“, dann scheinen mir Rilkes Briefe an F. X. Kappus die bessere Wahl zu sein, um Rat zu finden.

Gott bewahre, ich möchte mich nicht mit Franz Xaver Kappus oder gar mit Rainer Maria Rilke auf eine Stufe stellen. Was ich möchte ist, dass Ihr da draußen nach Euren versteckten, vergrabenen, verschütteten Sehnsüchten und Träumen sucht. Grabt sie aus! Hegt und pflegt sie! Lasst sie wachsen und lebt sie endlich! Nichts ist schlimmer, als ein Leben, das man nicht lebt. Nichts ist schöner, als sich am (Lebens-) Abend hinzusetzen, auf sein Werk zu blicken und zu sagen: „Ich hab’s getan!“
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