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Freitag, 17. August 2012

Wer soll’s lesen?

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Quelle: http://www.sxc.hu/photo/773556
Wer schreibt, beziehungsweise schreiben möchte, wird sich früher oder später die Frage stellen müssen: „Wer soll das lesen?“Warum ist diese Frage wichtig? Von der Antwort auf diese Frage hängt ab, in welcher Form das Geschriebene veröffentlicht werden soll.
Schreiben wir „nur“ ein Tagebuch, welches den Zweck erfüllt, Geschehenes für später aufzubewahren? Oder wollen wir uns, mit nachträglichem Blick auf die Ereignisse, reflektierend einen Dialog mit unseren eigenen Gedanken führen, der die letzten Geheimnisse unseres Selbst aufdeckt?
Dieses „Manuskript“ wird vermutlich ein Schloss besitzen, um eine Veröffentlichung zu verhindern. In diesem Fall ist es gleichgültig wie und was wir schreiben.
Wenn es darum geht, für Verwandte und Bekannte, oder einen engeren Freundeskreis zu schreiben, müssen wir uns nicht viele Gedanken über Thema, Stil und Struktur machen. Freunde und Familie werden nachsichtig mit unseren Fehlern umgehen und wahrscheinlich auch mal gute Mine zum schlechten Stil machen. Genauso verhält es sich mit Gedichten, Geschichten und Texten, die nach der Vollendung in der Schublade verweilen und hin und wieder hervorgeholt werden, um in kreativen Erinnerungen zu schwelgen.Die moderne Form der Veröffentlichung in Form von Blogs – wie diesem hier – verdanken wir es, dass wir unsere Gedanken ebenfalls einer Öffentlichkeit preisgeben können. Da erlangt die Frage, wer diese Beiträge lesen soll, bereits eine größere Bedeutung. Wollen wir informieren, Gedankenaustausch betreiben, Feedback erhalten oder verfolgen wir andere Ziele damit, mehr oder wendiger Regelmäßiges und Sinnvolles zu Papier – Pardon – ins Netz zu bringen. Von diesen Zielen wird es abhängen, worüber wir bloggen und mit welcher Qualität.
Eine Recherche zeigt, dass es wenige deutschsprachige, gute Blogs gibt, die über viele Jahre hinweg aktiv betrieben werden. Meist sind das Blogs von Unternehmen oder kommerziellen Anbietern von Waren, die mehrere Autoren für Blogbeiträge bezahlen. Einzelpersonen sind meist nicht in der Lage, den doch beträchtlichen Aufwand über längere Distanzen aufrecht zu halten, zumal es kaum Brot und Lohn für die Arbeit gibt. Es ist also die Antwort auf die Frage für wen und warum wir schreiben, die unseren Einsatz vor uns selbst und unserem Schweinehund rechtfertigt.
Wenn mit dem Geschriebenem eine größere Anzahl an Lesern mit einem echten Buch beglückt werden soll und wir von diesen Geld auf unser Konto erwarten, müssen wir bedeutend mehr über das potenzielle Publikum wissen.
Wir müssen unsere Zielgruppe gut (er)kennen, für die wir schreiben wollen/müssen. Die angepeilte Lesergruppe hat bestimmte Bedürfnisse, die (meist) von Verlagen erfüllt werden will/muss, da von dieser Bedarfsdeckung deren geschäftlicher, wirtschaftlicher und somit finanzieller Erfolg abhängt. Spätestens dann wird unser Werk zur Ware und wir werden zwangsläufig mit Ablehnung und/oder harscher Kritik konfrontiert. Sofern wir außer einem Formbrief überhaupt vom Empfänger unseres Manuskripts hören. Je besser wir uns vorher überlegen, für wen wir schreiben, desto gezielter können wir Thema, Stil und den gewünschten Verlag auswählen und somit die Chancen erhöhen. Garantien gibt es trotz der besten Vorbereitung und auch mit dem subjektiv besten Roman- oder Sachbuch-Manuskript nicht.
Wer seine Chancen also erhöhen möchte, muss sich entscheiden, ob er die absolute geistige und literarische Freiheit behalten möchte oder ob er sich nach den Bedürfnissen eines Marktes richtet, den es zweifelsohne in der Buchbranche gibt.
Es scheint heute modern, wider den Kommerz zu schreiben, zu komponieren oder sonst wie künstlerisch, freigeistig tätig zu sein. Doch davon können nur die Wenigsten leben. Zumal aus der Freiheit Kommerz wird, sobald man davon leben kann!




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