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Freitag, 10. August 2012

Wer ist schon Hendryk Miller…? (Teil 2)

HendrykWie versprochen ein weiterer Teil von der Fortsetzungsgeschichte über Hendryk Miller.  Dieses Mal gehen die Lichter aus und ich hab keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird. Kommentare, Ideen, usw. sind gerne willkommen.

Hendryk kippte den billigen Fusel mit einem Ruck über die mittlerweile träge gewordene Zunge. Das leere Glas drehte er herum und versuchte es auf die Pyramide zu setzen, die er vor sich auf dem Tresen aufgebaut hatte.
Der Barkeeper, ein unrasierter, schleimiger Kerl, der ob seiner Körperfülle gerade noch Platz zwischen den leeren Spirituosenkartons und halb vollen Bierkisten fand, schielte skeptisch auf das Bauwerk. Hendryk grinste ihm breit entgegen, was dazu führte, dass die halb verglühte Filterlose aus seinem Mundwinkel rutschte und einen stinkenden Fleck auf seiner ohnehin unansehnlichen Hose hinterließ, bevor sie endgültig auf dem Boden landete. Dort teilte sie sich den Platz mit Papierschnipseln, Erdnussschalen und einer Menge anderer Kippen, die den Weg in den Aschenbecher ebenfalls nicht gefunden hatten. Er konzentrierte sich und setzte das zehnte Glas auf die Spitze seines Kunstwerks. Er wollte triumphieren, kam aber nicht mehr dazu, seinem Werk zu huldigen.
„Du hattest deinen Spaß“, murrte der fette Barmann, „für mehr reichen deine paar Kröten nicht. Also verzieh dich.“
Miller hob beide Hände als würde er mit einer 45er bedroht.
„Schon gut, schon gut“, lallte er, „Ich bin schon weg. Mein Mädchen wartet sowieso schon mit dem Essen auf mich.“
„Das würde mich wundern“, höhnte sein Gegenüber, währen er die Pyramide abbaute und die Gläser in einem Becken verschwinden ließ, das eher an eine Kloake denn an Spülwasser erinnerte. Hendryk winkte aggressiv ab und taumelte zur Tür.
Als er aus dem schummrig beleuchteten Raum auf den zugemüllten Gehsteig trat, wurde ihm klar, was der Dicke gemeint hatte. Es war stockdunkel. Straßenlaternen, die man in der Nähe vermuten konnte, brannten nicht. In einiger Entfernung war Straßenlärm zu hören. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er keine Ahnung hatte, wo er sich eigentlich befand. Im Grunde war es ihm ohnehin egal. Er wollte eben in Richtung des Verkehrs lostaumeln, als hinter ihm die Tür aufgerissen wurde.
„Das hast du vergessen. Nimm deinen Müll gefälligst mit nach Hause.“
Der Barkeeper trat mit einem Haufen Papier hinter ihn. Sein Roman! Wie hatte er nur sein Manuskript vergessen können. Das Einzige, das er je in seinem jämmerlichen Leben zustande gebracht hatte. Mit einem heftigen Stoß wurde ihm der Stapel gegen die Brust gedrückt. Er schnappte zu. Mehr aus Reflex, denn er verlor sein Gleichgewicht. Instinktiv klammerte er sich an die Blätter, die sein Leben bedeuteten, und setzte einen Fuß nach hinten. Doch seine Ferse kippte über die Bordsteinkante ins Leere. Als er rücklings auf das Kopfsteinpflaster knallte, wurde die Finsternis zu einem hellen Leuchten. Der strahlende Vorhang löste sich jedoch in tobende Funken auf und kurz darauf wurde es wieder dunkel.
Es dauerte ein paar Augenblicke, bis er wieder halbwegs bei Sinnen war. Der viele Alkohol in seiner Blutbahn beschleunigte diesen Vorgang nicht gerade. Wie durch einen langen Tunnel hörte er einen Hirsch röhren und fragte sich, wie sich dieses Tier in diese miese Gegend verirrt haben konnte. Erst langsam wurde das Röhren deutlicher und das Röhren wurde zu einem schadenfrohen Lachen.
Hendryk versuchte, seinen Oberkörper aufzurichten, ohne dabei seine Papiere loszulassen, die er fest an seine Brust gedrückt hielt. Sein Blick war gerade dabei klar zu werden, sodass er den riesigen Körper zu erkennen begann, der das Licht aus dem Inneren der Bar daran hinderte, auf die Gasse zu fallen. Das Nächste, das er erkannte, war die Sohle eines abgetragenen Westernstiefels, die geradewegs auf sein Gesicht zuraste. Dann wurde es wieder dunkel. Sehr dunkel.
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