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Samstag, 11. August 2012

Wer eine Reise tut …

Koffer
Meine Orange von Samsonite
… der kann etwas erzählen. Zwei Dumme, ein Gedanke und Murphy’s Law. Wer kennt sie nicht die alten Weisheiten, die mittlerweile zu Tausenden Facebook & Co. zukleistern. Doch manchmal werden diese „klugen“ Sprüche tatsächlich zum erlebten Alltag.

Gestern Nacht sind wir von Wien nach Köln/Bonn geflogen. Wir hatten genügend Zeit eingeplant und somit war es auch kein Problem gewesen, dass der Shuttlebus beim neuen Skylink (Verzeihung… Austrian Star Alliance Terminal) hält, der Check-in für germanwings aber gefühlte zehn Kilometer entfernt im alten Gebäude für Billigfluglinien verblieben ist. Wer billig fliegt, braucht schließlich kein Service.
Der Flug wie gewohnt Problem- und Sorgenfrei. Männer meiner Statur sind es gewohnt, dass die Kniescheiben eine Zwangsehe mit dem Oberschenkel-Hals eingehen. Dank sei 10in2, benötige ich wenigstens keine Gurtverlängerung mehr und ich kann mich ohne fremde Hilfe im Sitz festschnallen, was angesichts der Armlehnen, die knapp unter den Rippenbögen auf die Beckenschaufeln drücken ohnehin nicht nötig wäre. Einmal im Sitz eingerastet, falle ich da ohnehin nicht mehr heraus. Aber ich schweife ab.

Wir haben bei der Anschaffung unseres Reisebegleiters von Samsonite auf einige Dinge geachtet: Hartschale, Zahlenschloss, seitliche Schnallen, Leichtlaufrollen und einen Teleskopgriff, der es ermöglicht den Koffer aufrecht gehend zu bewegen und nicht wie ein Untertan demütig vor ihm herzubuckeln. Und! Ein hässliches, knalliges Orange, das die Identifizierung des Koffers über zweifache Ankunftshallen-Distanz problemlos ermöglicht.

Ankunft, etwas verspätet, gegen 22:30 am Conrad Adenauer Flughafen. Ab zur Gebäckausgabe. Da bahnt sich auch schon unser orangefarbener Koffer an. Ging ja schnell! Kurzer, ob der Einzigartigkeit des Koffers unnötiger, Blick auf den Aufkleber: „Köln/Bonn“, passt! Name steht ohnehin keiner dabei. Geschnappt die kantige Orange, dem von Daidalos abgekupferten Labyrinth entkommen und ab ins Taxi. Begleitet vom Genörgel des Taxifahrers: „… sechs Stunden steh ich Stand – und dann so kurz Fahrt“, ging‘s zum Hotel.
Koffer ausgeladen, Schlüssel übernommen. 25.1 kg-Orange in den zweiten Stock geschleppt, auf den Tisch gehievt und Code eingegeben. Gott sei Dank war ich umsichtig genug, vor dem Abschließen im heimischen Schlafzimmer die Zahlenkombination zu prüfen. Man will ja schließlich keine Überraschung erleben. Dreimal drehen und justieren und … Murphy’s Law schlägt zu. Code passt nicht. „Das gibt es doch nicht. Letzte Woche fünfundvierzig geworden und schon schaffe ich es nicht mehr, einen dreistelligen Zahlencode für sechs Stunden unbeschädigt in meinem Frontallappen zu behalten. Grübeln, studieren, probieren, kombinieren … sinnlos! Irgendwann schlägt dann doch die grundlegende Charaktereigenschaft des Löwengeborenen durch. Selbstvertrauen! So blöd kann ich nicht sein. Der Code muss stimmen. Der Koffer ist falsch. Seitliche Schnallen geöffnet, Deckel etwas angehoben und mit der Handy-Taschenlampe einen knappen Blick auf die Orangeneingeweide geworfen.
„Schatz hast du etwas Rot-weiß-gestreiftes eingepackt?“ - Schatz hat nicht.
Der nächste Blick fällt auf einen vereinsamten Barcode-Aufkleber. Darunter steht eine Zahlen-Buchstabenkombination, aus der ich die Flugnummer herausfiltern kann. Sie bestätigt den aufkeimenden Verdacht. Nicht unsere Flugnummer. Gleichzeitig mit uns kam eine Maschine aus Barcelona. Die Klappen zugemacht und den Koffer aufgerichtet, um die ganze Tragweite der Tragödie in Augenschein zu nehmen. Der nächste Blick landet auf einem Namensschild, welches auf der Rückseite des Koffers eingelassen ist. Name, Adresse und Telefonnummer … kurzes Telefonat!

Nach einem kurzen Hinweis, was mich dieser Anruf im deutschen Netz kostet - was mich angesichts des Verlustes meines lebenserhaltenden Gepäcks überhaupt nicht interessiert – meldet sich ein Herr, der mich sofort mit Namen begrüßt. Aha, ein Mann mit ähnlicher Intelligenz, die auch bei mir einst diagnostiziert wurde. Er hat meine österreichische Telefonnummer gesehen und sofort kombiniert, dass sich wohl der Entführer SEINER Orange mit der Lösegeldforderung meldete.

Etwa zwanzig Minuten später ist der Geiselaustausch abgeschlossen. Zumindest zum Teil. Denn ich habe den fremden Koffer an seinen Eigentümer übergeben. Doch der freundliche Herr und seine Frau haben meinen Koffer der Obhut der Fluglinien anvertraut. Kein Problem, bei der Info hilft man mir sicher weiter. Die junge, nett anzusehende und sehr freundliche Dame führt ein kurzes Telefonat. Alles in Ordnung. Sie bringt mich zur Lufthansa-Gebäckermittlung.
Doch dort dreht man uns vor der Nase das Licht ab, anstatt die Tür noch mal aufzuschließen. Man muss aber auch Verständnis dafür haben. Es ist immerhin schon kurz vor Mitternacht. Claudia, so glaube ich, mir ihren Namen gemerkt zu haben, versucht noch einige Minuten, mir Hilfe zu organisieren. Als sich ein Herr von AHS ankündigt, verabschiedet sie sich um wieder ihrem eigentlichen Job nachzugehen. Doch dem kurz darauf auftauchenden jungen Mann bleibt auch nicht mehr, als eine Reihe von Telefonaten zu führen. Schlüssel hat auch er keinen. Bei Lufthansa bleibt es dunkel. Wir geben auf.

Er gibt mir seinen Namen (danke für den Versuch zu helfen, Herr B.), eine Telefonnummer, entschuldigt sich mehrmals und vertröstet mich auf den nächsten Tag. „Neuer Tag, neues Glück.“ Schon wieder ein Sinnspruch.

Am nächsten Morgen, gleiches Spiel von vorne. Taxi, Infostand, Lufthansaschalter, Geleitschutz – und endlich die Gebäckermittlung von Lufthansa. Eine nette Dame nimmt mich in Empfang. Ich erkläre mein Dilemma mit den vertauschten Koffern. Sie tippt meinen Namen in ihre Tastatur und bestätigt: „Alles klar. Er ist hier“. Hoffnung keimt auf. Sie öffnet ein Kammerl mit all den ausgesetzten und entlaufenen Koffern und Taschen - und mitten drin, etwas traurig dreinschauend, mein orangefarbener Samsonite.

Ich zeige auf mein Gebäckstück, und noch bevor ich ein Wort sagen kann, meint sie ungläubig: „Diesen Koffer gibt es wirklich zweimal?“ … ;x









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