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Donnerstag, 30. August 2012

Schreibblockade

Foto: Andrea Bianchi
http://www.andreabianchi.net
Es gibt Tage, da bin ich nur müde. Nichts will meine Gedanken in Schwung bringen. Nichts will mir einfallen. Je mehr ich mich anstrenge, desto widerwilliger und müder werde ich.
“Gib mir etwas”, flehe ich, “irgendwas Neues.”
Seit Stunden wälze ich alte Notizen, durchstöbere Foren, Blogs und Webseiten. Dutzende Bücher habe ich verzweifelt aus den Regalen meiner Bibliothek gerissen. Klappentexte und Buchrückseiten
kenne ich mittlerweile auswendig. Das Ergebnis ist NICHTS.
Ich nehme ein Blatt Papier und meine Feder. Striche, Kreise, Kringel, ein Häuschen, ein Häschen, ein Mäuschen, ein Bläschen ... Wie zeichnet man Bläschen. Seifenblasen oder Luftblasen?
Zum Kuckuck, das bringt mich nicht weiter. Soll ich mich hinlegen? Eine Stunde schlafen? Danach wird es sicher besser. Dann kommt die Muse und küsst mich.
Aber ich habe heute den ganzen Vormittag im Bett verbracht und auch gestern und vorgestern. Hemingway hat im Bett geschrieben. Ich kann im Bett nicht schreiben. Da werde ich schnell müde und schlafe ein. Auf die Muse warten, DAS kann ich im Bett. Doch sie kam vorgestern nicht und sie kam gestern nicht. Wenn ich mich jetzt wieder hinlege, kommt sie wohl auch nicht.
Vielleicht deshalb, weil ich die Haustür abgeschlossen habe. Kommt die Muse durch die Eingangstür?
Langsam werde ich wütend. Zorn ist ein mächtiges Gefühl. Wut und Zorn sind nicht dasselbe. Aber Zorn in die richtigen Bahnen gelenkt kann vieles bewirken. Doch aus Zorn entsteht auch viel Übles.
Ich sollte über Zorn schreiben. Zorn und was er bewirkt, was ihn auslöst, wie man ihn überwindet ...
Ich brauche einen Protagonisten. Also der gute Frank; Er muss wieder einmal herhalten. Letzte Woche hat Frank im Lotto gewonnen und alles binnen eines Jahres verjubelt. Am Wochenende hat er einen Richter ermordet und jetzt werde ich Frank wütend machen.
Also Frank, was macht dich wütend? Dein Nachbar? Abgedroschen!
Die Gesellschaft? Zu anonym. Das System ...! Es ist gerade IN, auf das System wütend zu sein. Wutbürger und Mutbürger stehen sich gegenüber und alles basiert auf den schauspielerischen Fähigkeiten eines Kabarettisten.
Aber bis die Story auf den Markt kommt, ist etwas anderes Modern. Die Menschen verlieren rasch das Interesse an Hypes.
Es muss doch Besseres geben, was dich wütend macht, Frank.
Mal überlegen ... welchen Job hast du? Klar! Frank ist Autor, Schriftsteller. Nein! Die ausgelutschte Geschichte zum hundertsten Mal ... Fällt mir nichts Besseres ein? Schriftsteller! Super... und ich lasse das Telefon in Franks Arbeitszimmer klingeln und noch bevor der Anrufer am anderen Ende ein Wort sagt, weiß Frank, dass es der Verlag ist, der zum zehnten Mal diese Woche anruft um wegen der fehlenden Kapitel nachzufragen.
Mein Handy läutet. Ich sehe auf das Display ... mein Agent! Ein brennendes Gefühl beginnt, sich durch meine Blutbahn ins Gehirn zu fressen. Zorn steigt auf ...
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