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Sonntag, 29. Juli 2012

Wer ist schon Hendryk Miller…?

Kapitel 1; Szenen 1 – 3;
Hendryk Miller hielt sich für einen talentierten Schriftsteller. Doch sein Gegenüber, eine dieser arroganten Schlampen, die Kind und Ehe geopferten hatten um Karriere zu machen, war da anderer Meinung. Seiner Ansicht nach, war sie eine, die Männer hasste und ihre Position als

leitende Verlagsangestellte nutzte, um sich an ihnen zu rächen. Wofür auch immer.
„Was sie hier in Händen halten Frau Topovic“ – was war das eigentlich für ein Name – „ist das Beste seit Harry Potter. Wobei Harry Potter etwas für Kinder ist. Ich schreibe für Erwachsene. Die Story hat Abenteuer, Action, Sex,…“
„Sex in denen Frauen die lechzenden, dümmlichen Püppchen abgeben“, fiel sie ihm ins Wort, „die den muskelbepackten Typen hinterherhecheln. Ihr sogenannter Held muss in ihrer Geschichte nur mit dem Finger schnippen und alle sinken auf die Knie…“. Daher wehte der Wind also. Eine Emanze, die offenbar gerne oben saß.
`Du kannst mich gerne besuchen`, fantasierte er, `Ich werde dir schon zeigen, wie es ist, vor mir zu knien´.
„Ihre Sprache ist kraftlos. Das wird nicht anders, wenn sie in jedem zweiten Satz einen Kraftausdruck gebrauchen. Der Stil ist platt und wird unserem Anspruch nicht gerecht. Wir müssen ihr Script leider ablehnen.“ Mit diesen Worten schob sie ihm den Stapel Papier zu, der sein bestes Werk darstellte. „Tut mir leid, auf Wiedersehen.“
Hendryk warf ihr einen verächtlichen Blick zu und schnappte sich sein Manuskript. Er stand ohne ein weiteres Wort auf und ging die paar Schritte zur Tür des Büros. „Miststück“, murmelte er, bevor er die Klinke drückte und aus dem Raum schlüpfte. „Das habe ich gehört, Herr Miller“, rief sie ihm nach. ´Ach fick dich doch´ – dachte er als Antwort. Obwohl im ganzen Gebäude Rauchverbot herrschte, fingerte er in die Seitentasche seines abgetragenen Jacketts und fischte eine Schachtel Filterlose heraus. Er klopfte eine der Zigaretten an dem Papierstapel in seiner Hand etwas heraus und zog sie mit den Lippen aus dem Päckchen. Die bösen Blicke der Büroangestellten ignorierend, holte er etwas unbeholfen ein Feuerzeug aus der anderen Tasche und steckte den Glimmstängel an. „Ach fickt euch doch alle“, sagte er halblaut, als er auf den Gang hinaustrat. „Ihr haltet einen Roman sogar noch für schlecht, wenn er bereits in den Bestsellerlisten steht“, murmelte er auf dem Weg zum Lift. Voller Ungeduld drückte er mehrfach den Liftknopf. „Komm schon du Mistding.“ Ein dezenter Gong ertönte und Miller wollte sich eilig durch die sie langsam öffnenden Türen zwängen. Er sah sich allerdings mit einer Traube aus Menschen konfrontiert, die schwärmenden Bienen gleich aus der Kabine drängten. So überrumpelt, konnte er dem nicht entgehen, von allen Seiten angerempelt zu werden. Einer der Stöße traf ihn so hart am Arm, dass ihm das Manuskript aus der Hand geschlagen wurde und sich die Blätter mit den davoneilenden Menschen im Gang verteilten. „Ach fahrt doch alle zur Hölle!“, brüllte er, ohne eine Reaktion dafür zu ernten.
Wieder war der dezente Gong zu hören, die Lifttür schloss sich und die Digitalanzeige zählte von vierundzwanzig abwärts. Der Gang war wieder Menschenleer. Mit dem Ergebnis von drei Jahren erfolgloser Arbeit gepflastert lag er scheinbar immer länger werdend vor ihm. Miller nahm die Zigarette aus dem Mund und ließ den Kopf sinken. „Das hat doch alles keinen Sinn…“
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